Das Geheimnis der Löcher am Stellplatz

Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo dazwischen.

Auf der einen Seite ist das nächtliche Freistehen mit dem Wohnmobil in ganz Portugal verboten. Und auf der anderen Seite tun es alle überall.

Nur manchmal kommt die Polizei oder der Ranger und schaut nach. Und manchmal grüßt er freundlich und fährt wieder weg. Und manchmal bleibt er einfach spätabends eine halbe Stunde mit laufendem Motor dort stehen und signalisiert, dass du am nächsten Tag bitte weiterziehen mögest. Gelegentlich klopft er auch an die Tür und bittet dich höflich mehr oder weniger jetzt gleich wegzufahren.

Wenn das so ist, dann fahren alle Wohnmobile vom Platz A zum Platz B.

Und alle Wohnmobile von Platz B kommen an den Platz A.

So ist das in Portugal – zumindest meistens.

Nur wenn du länger an einer Stelle stehst, also viele Tage lang, dann wird irgendwann das entscheidend, was wir aus Deutschland als den Unterschied zwischen Parken und Campen kennen.

Also die feine Grenze zwischen der generell erlaubten „Wiedererlangung der Fahrtüchtigkeit“ (während der man im Auto schläft um danach sicher weiterfahren zu können), und dem Campen mit benutztem Unterleg-Keil zum waagrechten Schlafen, ausgefahrener Markise und den Tischen und Stühlen vor dem eigenen Wohnmobil.

portugal-1-19

Auf den ersten Blick ein Parkplatz. Auf den zweiten Blick jedoch ein geheimer Campingplatz.

Diese Unterscheidung ist überall wichtig, und wenn du viel unterwegs bist und gerne frei stehst, dann benutzt du keine Markise, du stellst die Stühle nicht länger raus als du sie benutzt, und… jetzt komme ich zum Punkt… du benutzt lieber keinen Keil.

Überhaupt haben Keile nicht knallgelb zu sein, sondern nur schwarz wie die Reifen und der Schatten unter dem Wagen. Sie sollen ja bitteschön nicht auffallen.

Wenn du auf einen der vielen tausend ungepflasterten Parkplätze fährst, die du überall an der portugiesischen Küste findest, dann schaue genau hin.

portugal-1-18

Das Loch hilft dir hier waagerechter (und vor allem länger) zu stehen

Du wirst dort Löcher finden.

Und der Zweck dieser Löcher ist nicht etwa, dass du im Slalom um sie herumfährst, sondern… du ahnst es schon… sie stammen von den Dauercampern, die gelernt haben, nicht wie Camper auszusehen.

Statt die eine Ecke deines Busses mit einem Keil etwas höher zu legen, kannst du auch die diagonal gegenüberliegende Ecke entsprechend absenken. In beiden Fällen steht die Kiste danach waagerecht.

portugal-1-16

Er hat keinen platten Reifen, sondern ihm gefällt es hier, und er bleibt.

Und genau dafür wurden diese kleinen Löcher gebuddelt.

Du erkennst daran meistens auch die besten Ecken auf dem Parkplatz, und es erschließt sich auch dem ungeübten Auge sofort, mit welchem Rad du da wohl am besten reinfährst.

portugal-1-15

Dieses Vorderrad ist übrigens meines. Ich kam nachts an und habe das Loch im Dunkeln – fast – getroffen.

Dass ich dennoch gut stand, kannst du ganz oben am Titelbild erkennen – es ist derselbe Platz am selben Tag.

Ach, und noch was:

Gefallen dir meine Beiträge? Dann hinterlasse mir doch einen Kommentar. Ich freue mich über Feedback von dir gleich hier unten auf der Seite.

17 Comments

  • klaus Albrecht sagt:

    Hallo Peter,
    das ist doch mal ein toller Tipp, herzlichen Dank.
    Viele Grüße Klaus

  • Thomas Leifheit sagt:

    Das sind genau die Tipps, die wir brauchen. DANKE

  • Harm Diesner sagt:

    Gut zu wissen, aber für meine großen Reifen muss ich wohl selbst buddeln.

  • Stefanie sagt:

    Vielen Dank für den tollen Tipp 😃

  • Netter Tipp, vor allem aber nette Schreibe. Gibst du auch Kurse!😉

    Weiter viel Spaß in Portugal. Unseren Top-Platz nahe Vale do Lobo findest du auf unserer Seite.

  • Armin Kukuk sagt:

    In Portugal waren wir noch nicht, aber wenn ich das Bild so anschaue, wird es auch für uns mal Zeit 😊
    Das mit den Löchern kenne ich auch von Sardinien 😉

  • Norbert Schick sagt:

    Hallo Peter,
    Danke für deinen Bericht über Löcher in Portugal 🇵🇹
    Ließt sich toll.
    Bin gespannt auf weitere Themen.

    Ich bin ein Admin von der Gruppe „Mit dem Wohnmobil Frei stehen“

    • Peter Eich sagt:

      Freut mich, dass es dir gefällt, Norbert. Ehrlich gesagt war ich unsicher, ob das Nennen eines Links zum Blog erwünscht ist oder nicht. Bin froh, dass es dir gefällt. LG!

  • Line Fuks sagt:

    Toller Beitrag

    Aber ehrlich? Ich verstehe das mit den Keilen und dem „perfekten“ Stand eh nicht.
    Wir leben viele Monate im Wohnmobil und es ist mir eher herzlich egal, wie wir stehen.

    Wenn wir parken dann ruckeln wir mal vor und mal zurück, stecken den Finger in den Mund und halten ihn in die Luft (um die Windrichtung zu erkennen – einfach so…) und bleiben dann einfach – STEHN!

    Und bei schlafen passen wir uns dann einfach den Gegebenheiten an! Also wir schlafen dann einfach in die eine – oder in die andere – Richtung.

    Mir wäre der Aufwand viel zu hoch auf Keile zu fahren 😉 bin da eher pragmatisch und flexibel.

    Danke für Deinen Artikel.

    Die Line von der Wildnisfamilie

    • Irena sagt:

      Hallo,
      Schön zu lesen, vor allem möchte ich bei den Bildern am liebsten gleich wieder losfahren,aber an sonsten geht es mir genau wie Line, das Kopfende im Bett muß halt mal ans andere Ende wandern, dann brauche ich keine Keile.

      LG Irena

  • Elisabeth sagt:

    Lieben Dank für den Tip!! Verrätst Du auch wo dieser tolle Platz ist?😉

  • Thomas sagt:

    Ich lerne. Danke!
    PS: Macht wirklich Freude Deine Artikel zu lesen

  • Hallo Peter, toll geschriebener, unaufgeregter Bericht. Das Thema ist ja nicht nur in Südeuropa aktuell, sondern auch fast überall dort, wo man man frei steht. Noch fahren wir im Winter nicht nach Südeuropa, aber das wird sich bald ändern. Da kommen solche Berichte gerade recht. Weiter so 👍👍👍

  • Sunny Flair sagt:

    Wieder etwas wichtiges gelernt was sicher zukünftig sehr von Bedeutung sein wird. Lieben dank.

  • Gabi & Vasco sagt:

    Hallo Peter,

    cooler Artikel. Das mit den Löchern kannten wir auch noch nicht. Wird mit der Zwilligsbereifung bei uns vermutlich auch etwas schwieriger 😉

    Im übrigen gibt es die Keile auch in schwarz … wir haben welche. Nutzen Sie aber meist nicht wenn wir nur eine Nacht stehen.

    Gruß

    Gabi & Vasco

  • Tanja sagt:

    Hallo Peter,

    vielen Dank für diesen informativen Hinweis! Wir waren bisher meist außerhalb von Europa unterwegs, aber Europa steht nun auch auf unserem Programm und da ist dieser Hinweis gold wert.

    Viele Grüße,
    Tanja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.